Werkgruppe

Ailleurs

Objekt, Installation, Papierarbeit, Gemälde

1996 – 1997
ailleurs (35.13), 25. April 1997

Allieurs, aus dem Französischen kommend mit „anderswo“ zu übersetzen, ist der Titel einer Arbeit, die Weyermann anlässlich einer Ausstellung der Stipendiaten 1995–1997 der Karl Hofer Gesellschaft im Kunstraum Kreuzberg realisierte. Weyermanns künstlerischer Beitrag war eine begehbare Installation aus zwei ineinander verschachtelten Räumen. Es handelte sich zum einen um einen realen Raum, in dem sich der Besuchende der Installation aufhält, und zum anderen um einen zweiten, fiktiven Raum. Dieser zweite, „gedachte“ Raum ist als Fragment angedeutet: „Der Betrachter steht also an bestimmten Stellen in zwei Räumen gleichzeitig – im realen Raum und ,woanders‘. Es entsteht eine Verunsicherung seines Raumgefühls bzw. eine Ungewißheit über seine Verortung in den Räumen.“1
Weyermanns Überlegungen zum „woanders“ führte sie in einer umfassenden Werkserie weiter aus. Die überwiegend mit Acrylfarbe auf Papier und Holztafel ausgeführten Malereien, die von geometrischen Mustern und durch Wahrnehmungsirritationen beeinflusst sind, thematisieren Fragen nach dem dreidimensionalen Raum auf der zweidimensionalen Fläche.
Die Beschäftigung der Künstlerin mit Konzepten der Raumvisualisierung und Perspektivenumsetzung reicht weit in die Kunstgeschichtsschreibung zurück. Perspektivische Darstellungen wie in der Buchmalerei des Mittelalters sowie in der persisch-indischen Miniaturmalerei, die sich durch eine reiche Ornamentik auszeichnete, sind Untersuchungsgegenstand und dienen als Bildverweise, die Weyermann in ihren abstrakten Arbeiten der Ailleurs zitierte. Wurde in der Miniaturmalerei die Bedeutungsperspektive zur Vermittlung von Hierarchie und Narration verwendet, so änderte sich im 16. Jahrhundert mit Leon Battista Alberti die räumlich-geometrische Bildsprache dahingehend, dass nun von einer Perspektive gesprochen werden konnte.
Das Spiel mit verschiedenen sich widersprechenden Perspektiven in einem Bild und die dadurch bedingte Wahrnehmungsirritation ist Experimentierfeld von Weyermanns Malerei. Die Werkserie der Ailleurs leitet über zu den ersten Renderings. Die Herangehensweise bei der Erstellung virtueller Nachbauten auf Grundlage von Bauplänen real existierender Räume ist den Rauminstallationen genau entgegengesetzt: Der dreidimensionale Raum wird umgewandelt in einen zweidimensionalen.

1 Zit. n. Weyermann, Maja: Text aus dem Nachlass.

Kunstwerke (47) der Werkgruppe

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