Werkgruppe

Atelier

Rendering (CGI)

1999, 2005, 2009
  • Atelier (37.09), 1999
Atelier
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Im Jahr 1999 entsteht das erste Rendering Atelier. Als Motiv wählte Weyermann den eigenen Atelierraum. Der leere Raum, der links und rechts von einem Fenster begrenzt ist und den Blick frontal auf einen Spiegel oder eine weitere Bildfläche lenkt, ist weich „gezeichnet“ und weckt starke Assoziationen an fotorealistische Malerei. Die rätselhafte Fläche in der Bildmitte lässt eine Architektur sichtbar werden, bei der es sich um einen Wohnhauseingang mit Fenster handeln könnte. Die Szene scheint vertikal gespiegelt, wobei auf der rechten Bildseite das Fenster hell erleuchtet ist und auf der linken Seite kein Licht brennt. Nach oben hin schließt das Bild mit einer schwarzen Fläche ab. Das Dargestellte wirkt irreal, irritiert und wirft Fragen auf. Erinnerungen an Filmszenen aus Davids Lynchs surrealen Horrorfilmen oder das Werk des von Lynch inspirierten Fotografen Gregory Crewdson, dessen riesige Fotografien zwischen Traum und Wirklichkeit etwas Befremdliches ausstellen, drängen sich auf.
Ein komplexes, mit vielen Verweisen versehenes Werk ist die Arbeit Taller 1 (2005). Das zentrale Motiv ist eine im Bildvordergrund stehende, auf ein Stativ montierte Kamera. Diese Kamera steht, dem Betrachtenden zugewandt, fast mittig die Bildfläche ausfüllend, in einem leeren Raum. Dahinter führt der Blick in einen zweiten, verdunkelten Raum. Das Stativ und die darauf montierte Kamera erscheinen dreimal, wie es bei Mehrfachbelichtungen vorkommen kann. Im Bildhintergrund bleibt der Blick an einer Figur hängen, die sich aus einem erleuchteten Raum herausschält und im Begriff ist, eine Treppe herabzusteigen.
Zahlreiche kunsthistorische Verweise sind in diese Komposition eingebaut. Die wichtigste kunsthistorische Vorlage für Taller 1 ist das Werk Las Meninas (1656) von Diego Velázquez. Velázquez versammelt auf dem Bild Personen des spanischen Königshofes. Im Bildvordergrund sind zwei Hofdamen (die las meninas des Titels), die Infantin und mehrere andere Hofdiener zu sehen, rechts auf dem Boden im Bildvordergrund hat sich ein Hund niedergelassen. Der Maler höchstpersönlich steht auf der linken Bildseite vor seiner Staffelei, was darauf schließen lässt, dass sich die Szene in einem Raum ereignet, der ihm als Atelier dient. Mittig im Bildhintergrund steht ein Mann in einem lichtdurchfluteten Türrahmen. Es ist schwer zu entscheiden, ob er die Treppe herauf- oder herabsteigen wird.
Weyermann hat das Gemälde intensiv studiert. Wie Velázquez baute sie eine sich im Bildhintergrund befindende Lichtquelle als perspektivischen Fluchtpunkt ein, wodurch eine besondere Tiefenwirkung in der Fläche erreicht wird. Man sieht die Künstlerin eine Treppe herabsteigen. Dieses Bild wird als Filmprojektion an die Atelierwand projiziert und auf der linken Bildseite erneut gespiegelt, aber hier ist nur der leere Raum zu sehen, die Figur ist verschwunden. Eben dieser Moment der Bewegung, das Herabsteigen einer Treppe, erinnert stark an zwei weitere kanonische Gemälde. Nu descendant un escalier no. 2 (1912) von Marcel Duchamp und Ema (Akt auf einer Treppe) (1966) von Gerhard Richter dürften zwei weitere Referenzen sein, die Weyermann hier im Kopf hatte und die sich in die Komposition von Taller 1 mit einschreiben. Wie in Velázquez’ Las Meninas zeigt Taller 1 das Atelier der Künstlerin. An der Wand ist ein Spiegel als zusätzliches Bildfenster eingebaut, Weyermann montierte hier ihren Badezimmerspiegel ein. Der Spiegel in Velázquez’ Gemälde ist so positioniert, dass er das auf der Staffelei entstehende Bild widerspiegelt. So treten die Fördernden und Auftraggebenden des Künstlers ins Bild, das spanische Königspaar König Philip IV. und seine Frau Maria Anna von Österreich.
Der Spiegel ist eines der Schlüsselmotive in Velázquez’ Gemälde. Es handelt sich um eine „hintergründige Anspielung auf den kunsttheoretischen Topos der Malerei als Spiegel der Natur"1. Demnach ist Las Meninas ein Werk, das die Selbstreferenzialität der Malerei zu ihrem Hauptthema macht, indem sie das, was sie kann und leistet, behandelt.
Der im rechten Bildmittelgrund hängende Spiegel in Weyermanns Komposition zeigt eine Überblendung eines Fenstermotives mit einer malerischen Papierarbeit Garten (2005) der Künstlerin. Diese Zeichnungen zeigen meist Pflanzenmotive. Weyermann sah sie als persönliche tagebuchartige Skizzen, die parallel zu den aufwendigen Renderingarbeiten einen von Hand gemachten malerischen Ausdruck ermöglichten. Die Referenz in Taller 1 ist als versteckter Hinweis auf ihre Ausbildung und Anfänge als Malerin zu verstehen und die nach wie vor enge Bindung an das Medium.

1 Zit. n.: Kacunko, Slavko: Spiegel – Medium – Kunst. Zur Geschichte des Spiegels im Zeitalter des Bildes, München 2010, S. 278.

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Zugehöriger Literaturhinweis

Kunstwerke (7) der Werkgruppe

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