Biografie

1962

Geboren in Huttwil, Schweiz, als Tochter von Nelli und Max Weyermann. Sie hat eine ältere Schwester, Barbara, ein jüngerer Bruder, Daniel, wird 1966 geboren.

1981 – 1982

Nach dem Abitur zieht Maja Weyermann für neun Monate nach Paris und arbeitet als Au-pair. In Paris lernt sie die deutsche Schauspielerin Angela Winkler kennen, die sie zu einem Filmdreh nach Berlin einlädt.

1982 – 1983

Zurück in Bern zieht sie aus ihrem Elternhaus aus. Sie immatrikuliert sich für Kunstgeschichte an der Universität Bern.
Reise nach Berlin, wo sie am Filmset von Heller Wahn (1983, Regie: Margarethe von Trotta) Angela Winkler wieder trifft. Sie beschließt nach Berlin zu ziehen, was sie noch im selben Jahr und gegen den Willen ihrer Eltern umsetzt. An der Freien Universität Berlin immatrikuliert sich Weyermann für Philosophie, Theaterwissenschaft und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, später auch Kunstgeschichte.
Trotz des Studiums ist sie auf der Suche nach ihrer Berufung. Sie beginnt zu malen und zu zeichnen.

1987

1987

1984

Erste Bewerbung an der Hochschule der Künste in Berlin ist nicht erfolgreich.

1985 – 1987

Zwei weitere Bewerbungen an der Hochschule der Künste sind nicht erfolgreich. Um ihre Eltern zu beruhigen, beginnt Weyermann eine einjährige Ausbildung zur medizinischen Masseurin.

1987 – 1989

Zulassung zum dritten Semester an der Gerrit Rietveld Academie, Umzug nach Amsterdam.

Studienjahre

Studienjahre

1989

Weyermann zieht zurück nach Berlin und schreibt sich an der Hochschule der Künste ein. Der Maler Raimund Girke wird ihr einflussreichster Lehrer.

1990

Ihre enge Schweizer Freundin Irène Hug zieht nach Berlin. Mit anderen Freund:innen leben sie in einem besetzten Haus in der Fehrbelliner Straße. Gemeinsam veranstalten sie Partys, die immer erfolgreicher werden.
Gegen Ende des Studiums bekommt Weyermann einen eigenen Atelierraum, was ihrer künstlerischen Entwicklung zugute kommt. Sie erhält ein Künstlerinnenstipendium der Hochschule der Künste und beginnt, mit Braunkohle zu arbeiten.

Universität der Künste, Berlin

1991

Gruppenausstellung auf der Mathildenhöhe Darmstadt.

1992

Meisterschülerin von Raimund Girke.
Weyermann setzt die Malerei und die Arbeit mit Braunkohle fort.

Berlin 1992

1993

Nach Abschluss ihres Studiums erhält sie ein Arbeitsstipendium der Berliner Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten. Sie nimmt am Kursprogramm des Goldrausch Künstlerinnenprojekts teil, das zu einer Gruppenausstellung im Gropius Bau, Berlin, führt.

1994

Erste Ausstellung von frühen Bildern gemeinsam mit Irène Hug in Zürich und Gruppenausstellung in der Kunsthalle Bern.
Im selben Jahr beginnt Weyermann an verschiedenen Installationen zu arbeiten, die sich mit dem Raum und seiner Wahrnehmung auseinandersetzen. Doppelnaturen ist die erste dieser Arbeiten. Sie wird im Botanischen Büro, Berlin, ausgestellt. Die Rauminszenierung in einer Industrieruine besteht aus verspiegelten schwarzen Zeichnungen und einem Teich mit Schachtelhalmen.

Berlin 1994

1995

1995 beginnt Weyermann sich mit dem Problem des Raumes zu beschäftigen. Dies führt zu ihrer zweiten Installation 54 x Acryl auf Tubolit.
54 x Acryl auf Tubolit ist eine Installation in einem Rohbau. 54 farbige Gerüststangen sind so positioniert, dass der Betrachter, der sich vor ihnen bewegt, immer wieder neue Farbabfolgen sieht. Die Farbwerte der Gerüststangen sind so gewählt, dass sie mit den Farbwerten der Zwischenräume und denen der anderen Gerüstrohre korrespondieren. So wird der Raum innerhalb der Installation einerseits selbst zum Farbträger und andererseits visuell aufgehoben. Er erscheint durch die Farbe zweidimensional.

1995 – 1997

Atelierstipendium der Karl Hofer Gesellschaft, Berlin.

1996

Maja Weyermann lernt den Maler Sven Flechsenhar in Vorbereitung auf die Gruppenausstellung Apollo 1 in der Museumsakademie in Berlin kennen. Die beiden werden ein Paar.
Arbeitsstipendium der Stiftung Kulturfonds, Berlin.

1997

Joey Zimmermann, Irène Hug und Maja Weyermann (J. I. M.) initiieren eine Künstler:innengruppe mit dem Namen die der art guten Freunde.

1998

Die Künstler:innengruppe die der art guten Freunde organisierte insgesamt vier Veranstaltungen. Die Aktivitäten der Gruppe enden im Oktober mit einem von der Gruppe inszenierten Glücksspiel-Event. Im Hinterzimmer einer Berliner Eckkneipe werden an fünf Abenden Blackjack- und Pokerspiele veranstaltet.
Eine weitere große Installation mit dem Titel transformed object entsteht.
Reflexionen über die Veränderung der räumlichen Wahrnehmung durch den virtuellen Raum. Dies führt Weyermann zur Arbeit mit 3-D-Grafiksoftware.

Berlin 1998

1999

Weyermann entwickelt ihre erste digitale Collage. Das Rendering zeigt ihr Atelier. Sie verwendet kein vorgefertigtes Bild, sondern rekonstruiert, basierend auf den Bauplänen, die Architektur ihres Ateliers. Die Idee ist, den Raum virtuell wieder neu zu errichten, sozusagen als gestaltete 3-D-Simulation. Von nun an perfektioniert Weyermann ihre computergenerierten Räume und ihr künstlerischer Prozess verlagert sich von der analogen in die digitale Welt.

Palermo 1999

Palermo 1999

2000

Weyermann besucht ihre Schwester Barbara in Kathmandu und unternimmt gemeinsam mit Sven Flechsenhar anschließend ihre erste Reise nach Indien. Sie ist begeistert von Indien und möchte mehr Zeit dort verbringen.

2001

Ihr Interesse an dem Philosophen Ludwig Wittgenstein führt sie zur Villa Wittgenstein in der Kundmanngasse in Wien. Das Haus Wittgenstein wurde von Wittgenstein für seine Schwester entworfen. Drei Renderings zeigen unterschiedliche Perspektiven von innen und außen auf das modernistische Gebäude. Ein Jahr zuvor hat sie die Arbeit Absence fertiggestellt, die von Mies van der Rohes Farnsworth House inspiriert ist. Als Motive für ihre Renderings dienen real existierende Häuser, wie das Farnsworth-Haus, das Wittgenstein-Haus oder andere aus der Architekturgeschichte bekannte Gebäude, die Klarheit und Transparenz bieten. Aber auch nicht bekannte Räume, die ihr persönlich etwas bedeuten, wie das Atelier, die Luxus Bar oder ein Hotelzimmer in Palermo, fließen in ihre Arbeit ein.
Arbeitsstipendium der Berliner Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten.

2002

Weyermann interessiert sich mehr für den filmischen Raum. Sie sieht Parallelen zwischen der Wahrnehmung des realen Raums und der (Re-)Konstruktion des filmischen Raums in der eigenen Vorstellung. In den folgenden Jahren greift sie dies in verschiedenen Werkserien auf. Luxus II ist die erste Serie, die sich mit den für das bewegte Bild wesentlichen Aspekten von Zeit und Bewegung auseinandersetzt. Die Bilder der Luxus-Serie zeigen einen Raum aus der immer gleichen Perspektive, aber der Raum scheint sich zu verschieben, sein Zustand verändert sich.

Lissabon 2002

2003

Zweite Reise nach Südindien, gemeinsam mit Sven Flechsenhar.
Einhergehend mit der Untersuchung von Orson Welles’ Film The Trial (nach einem Roman von Kafka), der im Gare d’Orsay, Paris, gedreht wurde, und Le Corbusiers Planung für ein Hotelzimmer in einem Kongresskomplex, der anstelle des Gare d’Orsay gebaut werden sollte, schafft sie eine multimediale Rauminstallation mit Renderings, einer Videoarbeit und einer Toncollage. Die Arbeit wird noch im selben Jahr in der Galerie Koch und Kesslau gezeigt.

2004

Gastdozentin an der Architekturabteilung der Universität Liechtenstein.
Maja Weyermann reist zum dritten Mal nach Indien.
Die Berliner Galerie Koch und Kesslau zeigt ihre Werke erfolgreich auf der Kunstmesse frieze in London. Nichtsdestotrotz schließt die Galerie zum Ende des Jahres. Erste Begegnung mit der Galeristin Vera Munro.

Indien 2004

Indien 2004

2005

Erste Einzelausstellung mit dem Titel Liminal in ihrer neuen Galerie Vera Munro in Hamburg. Durch die Zusammenarbeit mit der Galerie Vera Munro wird Weyermann sowohl professioneller als auch präsenter auf dem Kunstmarkt.

2006

Weyermann beginnt die Zusammenarbeit mit der Galerie Nosbaum Reding in Luxemburg.
In Anlehnung an die Novelle Heart of Darkness (1899) von Joseph Conrad und den Film Apocalypse Now (1979, Regie: Francis Ford Coppola) entsteht die Serie Saigon.
Weyermann interessiert sich zunehmend für die Frage, inwieweit Raumvorstellungen von kultureller Prägung abhängig sind. Bei ihren Recherchen stößt sie auf die von dem Schweizer Architekten Le Corbusier geplante und entworfene Stadt Chandigarh, die in den 1950er-Jahren fertiggestellt wurde. Weyermann sieht ihre Recherche als „Chance, mich in meiner künstlerischen Arbeit mit Indien auseinanderzusetzen, ohne in die Exotikfalle zu tappen, weil ich von etwas ausgehe, das mir vertraut ist. Chandigarh ist ein Hybrid, in seiner ursprünglichen Konzeption europäisch, aber jetzt eine indische Stadt.“
Vierte Reise nach Indien. Das Ziel ihrer Reise ist Chandigarh.

Chandigarh 2006

Chandigarh 2006

2008

Nach einer weiteren Einzelausstellung mit dem Titel Chandigarh in der Galerie Vera Munro reist Weyermann nach Chandigarh. Die Reise wird von Pro Helvetia New Delhi und dem Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) gefördert.
Einzelausstellungen im Museum of Fine Arts, Chandigarh und im India International Centre, New Delhi.
Das Projekt vor Ort zu zeigen, ist ihr ein wichtiges Anliegen.
Produktion der DVD Chandigarh – an approach.

2010

real-time-nomads, Audio- und Videoprojekt unterstützt von der European Cultural Foundation, Niederlande.

2011 – 2012

Weyermanns zweiter Videozyklus about paradise kann als Fortsetzung von real-time-nomads gesehen werden. Das verbindende Element dieser Videos ist das Interview. Gespräche mit Geschäftsleuten unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft bilden die Grundlage für Drehbücher und 3-D-Simulationen. Die 3-D-Simulationen werden mit Zitaten aus den Interviews und Videoaufnahmen aus den Geschäftsräumen der Interviewpartner:innen zu Videoporträts verwoben.

Berlin 2011

2012

Forschungsstipendium der Stiftung Pro Helvetia New Delhi für das Projekt The House of Mr. Sharma, Chandigarh. Weyermann reist zum letzten Mal nach Indien.

2013

Zwei Solo-Shows, die ihre neue Werkserie über das Miller-Haus zeigen. The Miller House wird in einer Galerie in Amsterdam ausgestellt und The Miller House – and a Slice of Cake – or – Life Shortly Before Disaster in Luxemburg.

2014

Istanbul-Aufenthalt, unterstützt von der Berliner Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten. Während ihres Aufenthaltes entwickelt sie Ideen und stellt Beobachtungen an, die zu ihrem Videoprojekt Letters from Abroad führen. Weyermanns Videoinstallation nimmt Bezug auf die Rolle der Armenier in der Teppichproduktion und im Teppichhandel in der Türkei vor 1915 und verknüpft diese Geschichte mit der Enteignung des Immobilienvermögens der armenischen Stiftungen in Istanbul. In der Arbeit kombiniert sie reales HD-Videomaterial mit 3-D-Animation.
Katalogförderung durch die Berliner Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten, Berlin.
Einzelausstellungen in der Galerie Sanatorium, Istanbul und der Galerie Krethlow, Bern.
Teilnahme an der Ausstellung Bad Thoughts – Collection Martijn und Jeannette Sanders im Stedelijk Museum, Amsterdam.

Istanbul 2015

Istanbul 2015

2015

Einzelausstellung in der Galerie Nosbaum Reding, zu diesem Anlass erscheint ein Katalog, in dem sie ihre seit 1999 entstandenen Arbeiten vorstellt.
Sie präsentiert Letters from Abroad im Ausstellungsraum DEPO in Istanbul.

Im Herbst erfährt sie von ihrer Krebserkrankung.

2016

Maja Weyermann stirbt am 11. Mai 2016 in Berlin an Krebs.